„Patienten bekommen keine Arzttermine mehr!“ Solche Schlagzeilen prägen zunehmend die öffentliche Diskussion über unser Gesundheitssystem. Es wird vor längeren Wartezeiten und einer schlechteren ambulanten Versorgung gewarnt.
Doch stellen wir dabei überhaupt die richtige Frage?
Ein Arzttermin ist noch keine medizinische Versorgung
Wer keinen klassischen Arzttermin bekommt, gilt schnell als unversorgt. Dabei benötigt längst nicht jedes medizinische Anliegen eine persönliche ärztliche Vorstellung.
Manche Beschwerden lassen sich per Videosprechstunde klären, andere durch qualifizierte medizinische Fachkräfte mit ärztlicher Anbindung. Wieder andere erfordern selbstverständlich eine persönliche Untersuchung.
Entscheidend ist nicht der gewünschte Termin, sondern eine zeitnahe und medizinisch angemessene Versorgung.
Natürlich gibt es tatsächliche Engpässe und zu lange Wartezeiten. Doch nicht jeder fehlende Wunschtermin ist automatisch ein Versorgungsmangel.
Wenn Schlagzeilen Erwartungen prägen
Die ständige Diskussion über fehlende Arzttermine beeinflusst auch die Erwartungen der Patienten.
Wer immer wieder hört, dass Arzttermine fehlen, misst die eigene Versorgung möglicherweise zunehmend daran, ob genau dieser klassische Termin verfügbar ist.
Alternative Versorgungswege werden dabei schnell übersehen oder abgelehnt – selbst wenn sie für das Anliegen geeignet und zeitnah verfügbar wären.
So entsteht eine paradoxe Situation: Wir beklagen fehlende Arzttermine, während neue Möglichkeiten der medizinischen Versorgung noch längst nicht selbstverständlich angenommen werden.
Wie wir Medizin heute schon anders organisieren
In unserer Arztpraxis Spieren & Kollegen und im Deutschen Facharztzentrum (DFGZ) setzen wir auf unterschiedliche, miteinander verbundene Versorgungswege.
Dazu gehören klassische Arzttermine, die Videosprechstunde, unsere DIHVA-Sprechstunde und eine digitale Terminsteuerung.
Unser Termin-Agent hilft bereits dabei, Patienten entsprechend ihrem Anliegen zu einem passenden Versorgungsangebot zu führen.
Digitale Technologien ersetzen dabei nicht die ärztliche Verantwortung. Sie helfen uns, medizinische Ressourcen gezielter einzusetzen und Versorgung bedarfsgerecht zu organisieren.
Wir brauchen ein neues Verständnis von Medizin
Die Diskussion über fehlende Arzttermine greift zu kurz, wenn sie neue Versorgungsmöglichkeiten ausblendet.
Wir brauchen nicht einfach nur mehr Termine. Wir brauchen eine bessere Organisation medizinischer Versorgung: durch digitale Lösungen, strukturierte Ersteinschätzungen, neue Formen der Zusammenarbeit und die Bereitschaft, gewohnte Abläufe zu hinterfragen.
Die entscheidende Frage sollte deshalb nicht lauten: „Wann bekomme ich meinen Arzttermin?“, sondern: „Wie bekomme ich die medizinische Versorgung, die ich brauche?“



